1947 – 1995

Der Leipziger Arzt Daniel Schreber gründete im Jahr 1864 den ersten Kleingartenverein in Leipzig.

In Bamberg gab es bis 1945 keinen Kleingartenverein. Es wurde lediglich Gelände von der Stadt Bamberg an einzelne Privatpersonen verpachtet, die jederzeit kündbar waren. 1946 war es soweit. Die Stadt Bamberg kündigte etlichen Kleingärtnern den Pachtvertrag. Durch Erlass der Oberfrankenregierung musste jedoch ein Ersatzgelände für die gekündigten Kleingärten gefunden werden. Im Jahre 1947 wandte sich der Landesverband der Bayerischen Kleingärtner an die Stadt, mit der Bitte, das Kleingartenwesen zu fördern.

Der Wunsch nach einem Kleingarten war damals sehr groß. Die Lebensmittelknappheit förderte den Drang, einen Kleingarten zu besitzen. Besonders die Flüchtlinge wollten durch Bewirtschaftung eines Kleingartens ihren Fehlbetrag an Lebensmitteln ausgleichen, da sie es schwerer hatten als Einheimische bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln. In den damaligen Gärten wurden vor allem Kartoffeln, Gemüse und Obst angebaut.

Da die Stadt Bamberg jedoch selbst kein Gelände besaß, das einer Kleingartenanlage gerecht werden konnte, wandte sie sich an das Forstamt. Das Regierungsforstamt bewilligte der Stadt Bamberg die abgeholzte Fläche in der Waldabteilung „Amselfang“ am Stadion zur landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Nutzung zu verpachten. Bei diesem Pachtobjekt handelte es sich um sandigen, noch mit Walderika bewachsenen Boden. Die Wurzelstöcke der Bäume mussten ebenfalls noch entfernt werden.

Der Pachtvertrag zwischen der Bayerischen Staatsforstverwaltung und der Stadt Bamberg erfolgte am 23.09.1947, offizieller Gründungstag des Kleingartenvereins Amselfang. Die Gärten konnte man nur durch einen schmalen und tiefen Sandweg erreichen. Um Gemüse- und Holzdiebstähle zu verhindern, wurde die Anlage sofort mit einem Bretterzaun umgeben. Das Holz für die Bretter des Zaunes kamen von den Bäumen des Volksparks, die einen Käferschaden hatten (ca. 1.000 qm). Die Pfähle für den Zaun lieferte das Forstamt. Zur Befestigung der Bretter wurden 150 kg Nägel benötigt, die man zur damaligen Zeit nur mit Bezugsschein bekam.

1969 wurde dieser Zaun durch einen Drahtzaun ersetzt. Da kein Wasser vorhanden war, mussten Brunnen gebohrt werden. Der erste Brunnen wurde im Jahr 1948 gebohrt. In 3-4 Metern erreichte man das Zwischenwasser. Da das Wasser nicht ausreichte, wurde 1949 bis auf eine Tiefe von 13 Metern, bis zum Grundwasserspiegel gebohrt.

Am 03. Mai 1948 fand die erste Mitgliederversammlung im Café Müller in der Austraße zu Bamberg statt. Wegen der schlechten Bodenbeschaffenheit wurde die erste Pacht 1949, und zwar in halber Höhe, also 4 DM gezahlt. Ab dem 01.04.1950 wurde dann die Pacht in voller Höhe von 8 DM fällig. Dies wurde bei der Begehung mit den Vertretern der Stadt Bamberg vereinbart.

Vor der Erweiterung der Anlage im Jahr 1963 bestand die Kleingartenanlage aus 168 Parzellen. Es war damals ein steter Wechsel. Viele Gartenfreunde verzogen aus Bamberg und die Nachbarn übernahmen sofort die freien Parzellen. So entstanden die ersten Doppelgärten. Es wurde jedoch mit sehr viel Fleiß und Mühe alles in Ordnung gehalten. Humus und dunkle Erde wurden von weit her mit Handwägen herangeschafft. Die ersten Lauben wurden von Munitionskisten der Wehrmacht aus der Muna hergestellt. Für die Wege wurde Kohlenschlacke genommen, die man sich von den Amerikanern aus der Kaserne bringen ließ. Bei Regen gab es schwarzen Schlamm und bei Trockenheit schwarzen Staub und dadurch schwarze Füße.

1955 fand das erste Gartenfest statt. 1963 wurde die Kolonie 1 bis zur Armeestraße erweitert. Da die Wasserversorgung durch die Pumpen nicht mehr gewährleistet war, wurde eine Wasserleitung im Eigenbau gelegt. Jeder Garten bekam eine Wasseruhr. Im gleichen Jahr wurde für den verstorbenen Stadtrat und Gartenfreund VERGIN wegen seiner besonderen Verdienste bei der Gründung und auch für die weitere Förderung des Kleingartenvereins Amselfang ein Findling aus dem Jura als Gedenkstein gesetzt.

Im Jahre 1967 kam ein Kaufvertrag zwischen der Bayerischen Forstverwaltung und der Stadt Bamberg zustande. 1970 wurde die Straße vom Berliner Ring bis zur Armeestraße ausgebaut. Durch den Bau der Straße wurden der Kolonie 2 zwei Gartenhälften genommen. Gartenfreund Will und Gartenfreund Haschke bekamen dafür eine Entschädigung. Mit dem längst notwendigem Vereins- und Toilettenbau wurde 1971 begonnen. Die Bauten wurden alle in Eigenleistung gebaut. Da das Kanalnetz noch nicht bis zu unserer Anlage ausgelegt war, hob man eine Klärgrube aus. Im darauffolgenden Jahr kam der Kanalanschluss. Wieder wurden Rohre von den Toiletten bis zur Kanalisation in Eigenleistung gelegt.

Am 05.02.1971 wurde unser Verein erstmals als gemeinnützig beim Finanzamt Bamberg eingetragen. Eine Satzungsänderung war erforderlich. Der Vorstand wurde erstmals für 3 Jahre gewählt. In diesem Jahr bescherte der Nikolaus bei der Weihnachtsfeier 125 Kinder. Diese Zahl wurde nie mehr erreicht. Im Herbst 1972 wurde das 25-jährige Vereinsjubiläum, mit anstehenden Ehrungen im Liederkranzheim Bamberg gefeiert.

In der Generalversammlung 1973 wurde erstmals eine Beitragserhöhung beschlossen. Der Beitrag wurde nach schweren Debatten um 0,50 DM aus 2 DM erhöht. Beschlossen wurde ebenfalls, dass bei Gartenübernahme innerhalb von 2 Jahren ein dementsprechendes Gartenhaus gebaut werden muss. Wegen Geldmangels (DM 3.000) konnte kein Festwagen des Kleingartenvereins am Umzug zum 1.000-jährigen Bamberg teilnehmen.

Zur Befestigung der Wege mit Verbundsteinen wurde dem Verein 1977 30.000 DM von der Stadt Bamberg und 30.000 DM von der Regierung in Bayreuth zugesagt. Ebenso den Sand für den Unterbau von der Stadt Bamberg. Das Verlegen des Verbundpflasters musste allerdings von den Mitgliedern übernommen werden, wo ein Schlüssel ausgearbeitet wurde, der keinen benachteiligen würde. Pro 0,50 DM Pachtzins wäre der Betrag 12,50 DM zu zahlen. Dies lehnten die Mitglieder in der Generalversammlung ab (27 Ja-Stimmen, 40 Nein-Stimmen, 15 Enthaltungen). 1981 erfolgte der Abschluss im Wegebau im Eingangsbereich Kolonie 1. Die Stadt Bamberg bezahlte diese Verschönerung der Anlage (13.000 DM). 1982 wurde ein neues Giebeldach auf das Vereinshaus gesetzt, da das alte Flachdach wasserdurchlässig war und 1984 durch Verlängerung der Dachkonstruktion ein Freisitz geschaffen.

Eine Neufassung der Satzung musste 1987 gemacht werden, hier sei vor allem die Gemeinnützigkeit hervorzuheben, da sonst die Körperschaftssteuer für den Verein nicht mehr tragbar gewesen wäre. Gleichzeitig wurden alle alten Pachtverträge gekündigt. Im selben Jahr wurde zum 40-jährigen Vereinsjubiläum eine Festschrift herausgegeben. Der Festkommers fand im Freizeitheim St. Heinrich statt. Die Schirmherrschaft übernahm der Oberbürgermeister der Stadt Bamberg, Paul Röhner.

Eine Wegbeschilderung erfolgte 1991. Im folgenden Jahr 1992, beim Gartenfest, nach einem feierlichen Gottesdienst, wurde die erste Fahne des Kleingartenvereins durch Herrn Pfarrer Josef Eckert geweiht. Von 1995 an schmücken die Amselfänger zum Erntedankfest den Altar der Kirche St. Anna.

Wir bedanken uns bei dem Verfasser Heinz Josat

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